NWZ vom 23. Oktober 2009

Eleganz und Leichtigkeit

Göppinger Kammerorchester überzeugt bei Jahreskonzert in der Stadthalle


Mit bewegender Dynamik und großer klanglicher Bandbreite spielte
Fagottist Ulrich Hermann Carl Maria von Webers Konzert in F-Dur.
Foto: Giacinto Carlucci

Zu seinem Jahreskonzert mit Werken von Haydn, Weber und Mendelssohn hatte das Göppinger Kammerorchester in die Stadthalle geladen.

LILLI EL


Göppingen 
Der Auftakt war die Sinfonie Nr. 9 von Joseph Haydn, von der man vermutet, dass sie aus einer Ouvertüre hervorgegangen sein könnte. Der Einstieg des Orchesters unter Wilfried Maiers Leitung kam flott daher und ließ das "Allegro molto" flüssig und ausdrucksstark mit der gebotenen kraftvollen Lautstärke erklingen. Es gelang dem Orchester, rhythmisch geschäftig die Themen herauszuarbeiten und gleichzeitig im Andante das Pastorale mit dem lieblichen Ton der Flöten filigran und durchsichtig zu gestalten. Die Oboe und die Holzbläser setzten sich immer wieder solistisch in Szene, was dem Ganzen Eleganz und Leichtigkeit verlieh.
Für Carl Maria von Webers Konzert für Fagott und Orchester in F-Dur war der renommierte Fagottist Ulrich Hermann verpflichtet worden. In der spärlichen Solokonzertliteratur für dieses tiefe, aber doch so warm tönende Instrument nimmt das Webersche Werk eine besondere Stellung ein und gehört zu den meistgespielten seiner Gattung. Das Publikum war begeistert von der Bandbreite, die Ulrich Hermann zu Gehör brachte. Es war auch erstaunlich, wie der Solist Leises und Zartes seinem Instrument entlocken konnte. Mit bewegender Dynamik schuf er eine außergewöhnliche Atmosphäre. Das Instrument in seinem Ernst, seiner Würde und Kraft vorzuführen, nennt das Webers-Biograf Egbert Jahns. Dem wurde der Solist uneingeschränkt gerecht. Im Adagio ließ er singende, präzise laufende Koloraturen hören, da führte er das Liedhafte vor, und im "Rondo" zeigte er, dass mit diesem "ernsten" Instrument auch heitere, humorvolle Töne gestaltet werden können.
Nach der Pause gesellte sich der Solist zu den Holzbläsern - eine sehr sympathische Geste! Zur Aufführung kam Mendelssohn-Bartholdys frühe Sinfonie D-Dur Nr. 8. Dirigent Maier lenkte seine Musiker, die allesamt als ambitionierte Laien sehr stimmig und in sich geschlossen auch in diesem Werk agierten, anspornend und zupackend. Die Streicher traten sehr selbstbewusst auf, wenn auch das eine oder andere Mal etwas zu wuchtig. Die Sinfonie schrieb Mendelssohn 14-jährig. Dennoch besticht sie schon durch erstaunliche Reife und Ausgewogenheit. Das zeigte sich im Adagio, wo sich regelrechte Abgründe auftun. Flöte und Holzbläser hielten sich durchsichtig, klar, während die Celli und Bratschen etwas zu dicht und daher verschwommen wirkten. Den positiven Gesamteindruck störte dies aber nicht, es war ein beeindruckender Konzertabend. Das sah auch das Publikum so und spendete begeistert Beifall.

Erscheinungsdatum: Freitag 23.10.2009
Quelle: http://www.suedwest-aktiv.de/
SÜDWEST AKTIV - Copyright 2002-2009 Südwest Presse Online-Dienste GmbH
Alle Rechte vorbehalten!

--> originaler Artikel als PDF